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Veranstaltungen
Prof. Dr. Hans-Christian von Herrmann
PS/HS Michel Foucault: Literaturontologie, Diskursanalyse, Wissensgeschichte
LV-Nr.: 3131 L 014
MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3
Mo 14 - 16 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 24.10.2011
Die Schriften Michel Foucaults gehören heute zu den unverzichtbaren Grundlagen kulturwissenschaftlicher Wissensforschung. An ihnen wird zudem sichtbar, welche maßgebliche Rolle Literatur und Literaturtheorie für die Herausbildung dieses Forschungsprogramms gespielt haben. Zur vorbereitenden Lektüre wird empfohlen:
"Michel Foucault vorgestellt von Maurice Blanchot". Tübingen: Edition Diskord, 1987.
Lektüreseminar zur Vorlesung - weitere Hinweise im elektronischen Vorlesungsverzeichnis und auf ISIS.
HS Mathematik und Dichtung
LV-Nr.: 3131 L 031
MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4
Di 16 – 18 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 25.10.2011
Der 1965 von Helmut Kreuzer und Rul Gunzenhäuser herausgegebene Sammelband "Mathematik und Dichtung" stellt einen frühen Versuch dar, die Literaturwissenschaft vor dem Hintergrund der 'informatischen Revolution' neu auszurichten. Das Buch, das somit auch einen Brückenschlag zwischen Geistes- und Technikwissenschaften dokumentiert, wird Ausgangspunkt der Seminarlektüren sein. - Weitere Hinweise im elektronischen Vorlesungsverzeichnis und auf ISIS.
Dr. des. Christina Vagt
HS Prozess und Realität
LV-Nr.: 3131 L 035
MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3
Mi 12 - 14 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 19.10.2011
Das Lektüreseminar nähert sich Alfred North Whiteheads Prozess und Realität aus einer kultur- und wissensgeschichtlichen Perspektive.
An Essay in Cosmology lautet der Untertitel des englischen Originals von 1929. Und es ist eben diese metaphysische, ja kosmologische Perspektive Whiteheads, die das Werk neben zeitgenössischen Schwergewichten wie z.B. Heideggers Sein und Zeit oder auch Wittgensteins Tractatus lange unzeitgemäß erscheinen ließ. Nichts desto trotz wird Whitehead immer wieder adressiert, insbesondere wenn es um Affekt- und Ästhetiktheorien geht oder eben um Fragen der Kosmologie. Das Seminar erlaubt es, Prozess und Realität wissensarchäologisch und poetologisch zu lesen, d.h. als Symptom von epistemologischen Umbrüchen zu deuten, die erst in Form von Philosophie und Technik sicht- und sagbar werden. Die Kosmologie des 20. Jh. bestimmt sich durch neue kosmologische Techniken wie z.B. globaler Kommunikationssystem, justiert sich in Form neuer Naturgesetze wie Relativitäts- und Quantenphysik und imaginiert sich zwischen zwei Weltkriegen eine globale Gesellschaft, deren Reflexion in allen Wissenschaften heute dringender denn je erscheint.
HS Schlaf als Kulturtechnik
LV-Nr.: 3131 L 036
MA-GKWT 1/2 , MA-GKWT 4
Mo 12 - 14 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 17.10.2011
Kann man den Schlaf als Schlaf erfahren? Wohl kaum, urteilt Martin Heidegger. Denn was schläft, das ist in eigentümlicher Weise abwesend und doch da... Gerade weil der Schlaf ein prekärer Zustand ist fungiert er als Gegenstand verschiedenster Kulturtechniken, die Schlaf und Schlafende überhaupt erst hervorbringen. Das Seminar führt in die Fragestellung der Kulturtechniken ein, wie sie sich innerhalb der Kultur-, Literatur- und Medienwissenschaften herausgebildet hat. Dabei handelt es sich weniger um eine strenge Methode wie Logik oder Hermeneutik, als vielmehr um eine besondere Aufmerksamkeit für den Anteil von Kultur und Technik an vermeintlich natürlichen oder anthropologischen Konstanten wie dem Schlaf. Denn wie wir schlafen, wann wir schlafen und ob wir überhaupt jemals nicht schlafen lässt sich nur durch bestimmte Aufzeichnungs- und Beschreibungstechniken feststellen. Statt also positives Wissen über Gehirnfunktionen und Schlafrhythmen für eine sowieso immer schon zum Scheitern verdammte Wahrheitsfunktion gegen den Schlaf der Literatur oder auch des Kinos auszuspielen, sucht die Kulturtechnik nach den Bezügen zwischen Kafka und Schlaflabor, Science Fiktion und Elektroenzephalogramm, Heidegger und der protokybernetischen Biologie.
Dr. Mai Wegener
PS/HS Jacques Lacan und die Wissenschaft
LV-Nr.: 3131 L 012
MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3
Mi 16 – 18 Uhr
Raum: H 2051
Beginn: 19.04.2011
Jacques Lacans Texte sind aus höchst heteroklitem Material gewebt; außer der Linguistik nahm er Literatur, Mathematik, Wissenschaftsgeschichte und Philosophie etc. in die
Psychoanalyse mit herein. Im Seminar werden ausgewählte Texte Lacans gelesen, die die Kybernetik und andere Felder der Technik- und Wissenschaftsgeschichte heranziehen. Im Mittelpunkt wird „Die Wissenschaft und die Wahrheit“ von 1966 stehen. Lacan geht hier der epistemologischen Stellung der Psychoanalyse zwischen Wissenschaft, Religion und Magie nach und bringt in diesem Zusammenhang grundlegende Überlegungen zum Diskurs der Wissenschaft und ihrem „antinomischen Korrelat“, dem Subjekt der Moderne, vor, die auch außerhalb der Psychoanalyse bestand haben.
N.N.
HS Essayistisches Schreiben vom Rausch
MA-GKWT 1/2 , MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3
Fr. 10-16 Uhr, Sa. 10-15 Uhr
Raum: H 2051
Blockseminar - Termine: 13./14.01.2012; 27./28.01.2012
Die Forschung mit psychotropen Substanzen drängt dazu, von der Wissenschaft privilegierte Darstellungstechniken und -medien zu verlassen. Aus der Stenographie chemischer Formeln oder im Stakkato wissenschaftlicher Rede ist dasjenige, was das besondere Erkenntnisinteresse eines drogistischen Selbst-/Experiments ausmacht, nicht hervorzuholen. Die Grenzen szientifischer Diskurskonventionen werden oftmals überschritten, um die subjektiven Rauscherfahrungen in objektiv haltbares Tatsachenwissen zu verwandeln.
Konfrontiert mit Sprachausfall, Begriffsnot und missglückten Schreibszenen angesichts der zur Untersuchung stehenden Rauschphänomene sucht man darüber hinaus die Allianz mit der Literatur. Man appelliert an ihren Erfahrungsschatz, traut ihr zu, mit den neuralgischen Punkten drogistischer Bewusstseinsforschung umzugehen, und dank eingespielter Darstellungspraktiken das 'Unbeschreibliche' zugänglich machen und vermitteln zu können.
Kurioserweise sind die von Drogenforschern wie Albert Hofmann, Werner Stoll, Oskar Janiger oder Hanscarl Leuner geadelten literarischen Drogentexte größtenteils Essays – und damit selbst einem Genre an den Rändern von literarischem und wissenschaftlichem Schreiben zugehörig. Das Seminar untersucht den Essay als eine Textform, in der sich Literatur und Wissenschaft gleichermaßen artikulieren können
HS Das Leben als Zeichensystem im Lichte des Informationsdiskurses
MA-GKWT 1/2, MA-GKWT 4, MA-GKWT 5/3
Fr. 10-16 Uhr, Sa. 10-15 Uhr
Raum: H 2051
Blockseminar - Termine: 20./21.01.2012; 10./11.02.2012
1967 treffen sich laut Ankündigung "vier namhafte Vertreter der Wissenschaft" zu einer im Fernsehen ausgestrahlten Diskussionsrunde. Die Geladenen, der Pragmalinguist Roman Jakobson, der Anthropologe Claude Lévi-Strauss, der Biochemiker François Jacob und der Genetiker Philippe L'Héretier, stellen dort eine verblüffende strukturelle, formale und funktionale Übereinstimmung von Sprache und Genom fest.
Das Seminar rekonstruiert das Repräsentationsparadigma, dem diese Feststellung angehört, sowie den historischen und epistemischen Diskursrahmen, in den sie eingebettet ist: Mitte des 20. Jahrhunderts, in der Zeit von Kriegsspionage und Kaltem Krieg, überschneiden sich Forschungsinteressen von Biologie, Biochemie und Anthropologie, Psychologie und Soziologie, Kryptologie und -analyse, Kommunikationswissenschaften, Kybernetik und KI-Forschung, Linguistik, Mathematik und Computertechnik. An diesem Kreuzungspunkt bildet sich ein Äußerungszusammenhang aus, der es ermöglicht, soziale Phänomene, künstliche und natürliche Erscheinungen als Informationssysteme zu denken, die Signale und Botschaften übermitteln, wobei Input und Output im Sinne von Texten und Symbolen aufgefasst werden.