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FG Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt Literatur und Wissenschaft
Mit der Schwerpunktsetzung „Literatur und Wissenschaft“ widmet sich das Fachgebiet Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Berlin einer kulturwissenschaftlich akzentuierten Wissenschafts- und Technikforschung. Den Ausgangspunkt bildet dabei die Einsicht, daß sich Technisierung heute – im Zeichen digitaler Codes und algorithmischer Modellierung – sehr weitgehend als Versprachlichung vollzieht. So erscheint es möglich, die Einschränkung poetologischer Analysen auf den Bereich der Literatur aufzugeben und sie auch auf Artefakte und Praktiken aus den Bereichen der Natur- und Technikwissenschaften auszuweiten. Daneben widmet sich das Fachgebiet der Genealogie seiner eigenen Fragestellung, wie sie sich in den geisteswissenschaftlichen Diskussionen der 1950er und 1960er Jahre herausgebildet hat. So stehen Namen wie Walter Höllerer, Max Bense, Marshall McLuhan oder auch Martin Heidegger und Jacques Lacan für den Versuch, das Verhältnis von Sprache und Technik im Licht digitaler Rechenmaschinen neu zu konfigurieren. Als im Herbst 1961 das erste Heft von Höllerers Zeitschrift Sprache im technischen Zeitalter erschien, eröffnete es mit einem Artikel über Möglichkeiten und Grenzen der automatischen Sprachübersetzung. Verfasst hatte ihn der österreichische Computerpionier Heinz Zemanek, der damals gerade dabei war, um seine beiden Forschungsgruppen „Vocoder“ und „Mailüfterl“ herum eine IBM-Forschungsabteilung in Wien aufzubauen. Der Name der Zeitschrift war aber zugleich auch der Name von Höllerers literaturwissenschaftlichem Institut an der TU Berlin. An seine dezidiert interdisziplinäre Ausrichtung will das neue Fachgebiet Literaturwissenschaft in Forschung und Lehre anschließen, um auf diese Weise der besonderen Herausforderung gerecht zu werden, die geisteswissenschaftliches Arbeiten an einer Technischen Universität bedeutet.
